Das haben wir ja sehr verschieden erlebt.
Aber es gibt auch ein paar Mißverständnisse:
Allergietests, Stuhltests, Hautabstriche, Blutuntersuchungen- das macht jeder normale ambulante Arzt und ist allgemein anerkannt.
Neukirchen / Rötz versprechen aber etwas kategorial anders: Ursachenforschung.
Mit diesem Anspruch treten sie in die Öffentlichkeit und mit diesem Konzept haben sie sicherlich auch ihren Vertrag.
Ionescu, der Chefideologe von Neukirchen, ordnet atopische Erkrankrungen / Neurodermitis den "Umwelterkrankungen" zu. Er hat einen enormen Output - hier ein Auszug / man lese selbst:
Ionescu G.: Schwermetallbelastung durch Dentallegierungen. Ausleitungsverfahren bei
Neurodermitis- und Psoriasis-patienten.
Zeitung für Umweltmedizin, 3, 163-171,
1997.
Ionescu G.: Umweltfaktoren bei allergischem Asthma. Neurodermitis 30, 19-21, 1996.
Ionescu G.: Schwermetallbelastung bei atopischer Dermatitis und Psoriasis - Diagnose
und Therapie. Biol. Medizin 2, 65-68, 1996.
Ionescu G.: Umwelt und Allergien: Immunbiologische und allergotoxische
Interaktionen. Umwelt und Gesundheit, 1, 6-11, 1996.
Ionescu G.: Neurohormonelle Störungen durch Umweltschadstoffen bei
Neurodermitikern und Hyperkinetikern. Akzente 4, 21-22, 1995.
Ionescu G.: Allergotoxische Einflüsse von Umweltschadstoffen bei Allergiekranken.
Forsch. Komplementärmed. 2, 109-115, 1995.
Die Argumentation ist immer die selbe: Weil die Umwelt zu komplex geworden ist (Umweltgifte) reagieren spezifische Steuerelemente des (Immun-)Systems über. Folge sind die atopischen Erkrankungen.
Alle anerkannten Therapieformen laborieren nur an der Oberfläche (Wirkungen). Neukirchen / Rötz treten mit dem Anspruch an, nicht nur OHNE diese auszukommen, sondern dem eine alternative Behandlung entgegenzusetzen.
Meine Argumentation war: Sie kommen OHNE aus, aber setzen dem NICHTS entgegen.
Womit behandelt wird:
Ichthyol z.B. war bis in die 60er Jahre eben als "schwarze Salbe" standard für alle möglichen Furunkel und Ekzeme. Es ist bei Neuro allerhöchstens schwach wirksam.
Das Antibiotika (Name habe ich vergessen), womit sie einen von Kopf bis Fuß einschmieren, damit keine Superinfektionen entstehen, ist naturgemäß ein noch vielälterer Hut.
Alternativ wird noch Bufaxemac eingesetz: Das ist Parfenac- kennt ja wohl jeder aus den 70ern.
Ansonsten gibt da noch: Panthenol und Polidocanol. Ersteres ist Bepanthencreme und letzeres Tessit (leichtes Betäubungsmittel für die Haut).Kann man in der Apotheke als Spray gg. Mückenstiche kaufen.
Dann wird noch schwach UVB bestrahlt- ok, Solarium...
Und es gibt viel Omega3 intus-das finde ich ok, kann aber auch zuhause.
Es wird sehr auf Ernährung geachtet. Das finde sehr richtig und mache ich zuhause ebenfalls. Ich habe mich da so ernähren können wie zuhause, aber das kann ich auch in Davos oder in Tennerifa im Urlaub.
Alle typischen Behandlungsmethoden werden in Rötz/Neukirchen schlagartig bei Aufnahme abgesetzt. Auch Kortison, egal welches, wieviel und wie lange. Dem wird eben Antibiotika und Ichthyol o.ä. entgegengesetzt. Das halte ich für fahrlässig.
Ich habe da Menschen vollbandagiert wochenlang rumlaufen sehen. Unter der Bandage war Schwarztee.
Ich bezweifle sehr, daß die ihrem Anspruch auch annährend gerecht werden. Ich gehe davon aus, daß die meisten, die mit Kortison anreisten und es dort absetzen, zuhaus keinen Monat durchhalten. Man kann mit dem Konzept sich auch nicht weitertherapieren, wenn man arbeiten will oder ein normales Leben führen will.
Ja, die "Schutzkleidung"(diese fleckigen, löchrigen, stinkenden Schlafanzüge), in denen man sich praktisch den ganzen Tag üder Wochen bewegt, fand ich entwürdigend. Aber vielleicht bin da auch etwas pingelig.
Ein Behandlungszimmer, in dem 4 Herren nackich vorm Spiegel stehen, finde ich untragbar.
Das gleiche im Übrigen bei der Betrahlung: Man steht nackich in einer Reihe vorm Betrahlungsgerät, damits schneller geht. Eine Schwester sitze hinterm Schreibtisch und notiert alles.
Ich wollte eigentlich sagen: Das geht doch gar nicht so! Aber mir gings zu scheiße.
Für mich bleibt: Die Quälerei hätte ich mir sparen können.
Und mein Fazit zum Konzept ist: Mit einem raffiniertem ideolgischen Trick (die "Ursache" bekämpfen) werden Erwartungen erzeugt, die nicht erfüllt werden und m.E. auch nicht können.
Das Konzept ironisiert sich in der Praxis folglich selbst: Man süfft vor sich hin und wartet auf Godot.
Und das ging nicht nur mir so- für alle oder die Mehrheit kann freilich auch nicht sprechen.
Eine kleine Anektode zur Ironie zum Schluß:
Ressler-Antal (Chefarzt) kam zur Visite (da gibts dann auch neue Schlafanzüge für alle!) und trug in der Regel ordentlich Parfum oder Aftershave. Im Konzept steht leider, daß solche Duftstoffe enorme allergische Reaktionen auslösen können.
So "ironisch" fern sind die ihrem eigenen Kozept.
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