Startseite » Neurodermitis Artikel » Klassische Homöopathie in der Therapie der Neurodermitis

Klassische Homöopathie in der Therapie der Neurodermitis

Homöopathie

Klassische Homöopathie in der Therapie der Neurodermitis

Von Hartwig Richter, Arzt f. Allgemeinmedizin,
Homöopathie, Wentorf b. Hamburg

http://homoeopathie-richter.de

Die Haut ist der Spiegel unserer Seele

Dr. Samuel Hahnemann, geboren 1755 in Meissen, gestorben 1843 in Paris ist der Begründer der Homöopathie, einer Heilmethode, die seit ihrer Veröffentlichung die (ärztlichen) Gemüter erhitzt und Anhänger und Gegner polarisiert.
Das etablierte schulmedizinische System versucht überwiegend, die vorhandenen Symptome zu beseitigen ( die Warze wird entfernt, der Hautausschlag beseitigt, der Kopfschmerz „abgeschaltet“ ).
Hahnemann hingegen lehrt uns, dass die körperlichen Symptome nur die Folge
einer Störung auf einer inneren, geistigen Ebene sind, die er Lebenskraft oder
Dynamis nennt. Im § 9 seines Organon der Heilkunst schreibt er : „ im gesunden Zustand waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Organismus belebende Lebenskraft unumschränkt.“ Im § 11 : „ wenn der Mensch erkrankt, so ist ursprünglich nur diese geistartige, in seinem Organismus überall anwesende, selbsttätige Lebenskraft durch den lebensfeindlichen, dynamischen Einfluss eines krankmachenden Agens verstimmt.“ (1)
Einige Beispiele mögen die etwas antiquierte Sprache verdeutlichen : wenn Sie etwas Ekelhaftes sehen und Sie müssen sich übergeben, ist dann Ihr Magen krank?
Wenn Sie vor einer Prüfung Angst haben und unter Durchfall leiden in so einer Situation, ist dann Ihr Darm krank?
Wenn Sie sich in einer schwierigen, belastenden Lebenssituation befinden, dann sagen Sie vielleicht : „ das kostet mich unheimlich viel Kraft“ ! Hier weist unsere Sprache genau auf das Grundproblem hin, nämlich die Verringerung der
( Lebens)-Kraft, die der körperlich sicht- oder spürbaren Veränderung vorausgeht. Diese Veränderung nennt der Arzt dann „Krankheit“ .

Der schulmedizinische Arzt ist überzeugt, diese „Krankheit“ sei das, was es zu behandeln gilt, während der homöopathisch denkende Arzt weiß, dass dies nur darauf hinweist, dass innen die „Lebenskraft“ gestört ist und dass diese Kraft gestärkt werden muss.
Auch hier kann ein Beispiel das Gesagte verdeutlichen :
Sie fahren in Ihrem Auto und es leuchtet ein orangefarbenes Lämpchen. Dies Lämpchen ist ein Hinweis darauf, dass in Ihrem Motor ( innen !! ) etwas verringert ist, nämlich Öl. Der Schulmediziner geht nun hin und schaltet das Lämpchen aus, aber dies führt nach ein paar Kilometern zu einer ernsten Gefahr für Ihren Motor ! Sie müssen also im Inneren des Autos etwas verändern, nämlich Öl zuführen, und dann geht das Lämpchen von ganz allein wieder aus !!

Was verringert bzw. stört nun unsere Lebensenergie ?

Bei Kindern sind es im Wesentlichen, nicht ausschließlich !, vier mögliche Ursachen :
vererbte Krankheitsdispositionen ( Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten )
seelische Erschütterungen ( z.B. allein im Krankenhaus, allein ins Kinderheim, fehlende Mutterliebe durch lange Krankenhausaufenthalte, durch Adoption, Eifersucht durch neue Geschwister u.v.a ).
Impfungen ( sie schwächen bzw. überfordern das kindliche Immunsystem )
Antibiotika ( sie werden viel zu häufig und kritiklos auch bei Bagatellerkrankungen gegeben und schwächen ebenfalls das Immunsystem, dies wird übrigens bereits während des Studiums auf der Universität gelehrt !! )

Bei Erwachsenen sind es in erster Linie unverarbeitete bzw. unterdrückte Gefühle und Emotionen, die Kraft kosten. Hier sind Trauer, Enttäuschungen, Kränkungen, nicht geweinte Tränen ( Männer bzw. überhaupt Erwachsene weinen nicht ! ), ungelöste bzw. unlösbare Konflikte und auch ausgeprägter Mangel an Selbstvertrauen die häufigsten Faktoren, die die Lebensenergie schwächen.
Aber auch bei Erwachsenen wirken sich die vielen Antibiotika negativ aus.

Dieses so ganz andere Verständnis von Gesundheit bzw. Krankheit führt zu dem Wissen, dass es keine isolierte Erkrankung gibt, die z.B. nur ein bestimmtes Organ oder ein Körperteil betrifft und deshalb muss bei einer Magenschleimhautentzündung nicht der Magen, bei einer Bronchitis nicht die Lunge und bei einer Neurodermitis nicht die Haut, sondern der ganze individuelle Mensch behandelt und in seiner geschwächten Lebenskraft gestärkt werden. Die lokalen Symptome sind nur die Signale, die auf die geschwächte Lebenskraft hinweisen. ( siehe das Beispiel mit dem Öllämpchen im Auto )

Auswahl des passenden homöopathischen Mittels :
Die Wahl, welches Mittel auf einen bestimmten kranken Menschen passt, richtet sich nach der Gesamtheit der geistig-seelischen und körperlichen Symptome des jeweiligen Menschen. In einem langen und sehr detaillierten Gespräch werden alle körperlichen Symptome von Kopf bis Fuß und vor allem alle Gemütssymptome zusammengetragen und es wird dann dasjenige Mittel gesucht, welches diesem Menschen in seiner körperlichen und seelischen Gesamtheit am ähnlichsten ist.
Hahnemann formulierte es so : Similia similibus curentur – Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.

Wie wirken denn diese kleinen homöopathischen Kügelchen ?
Hahnemann fand heraus, dass durch Verschütteln bzw. Verreiben der Ausgangssubstanz die Wirkung des Mittels immer stärker wurde ( Potenzierung ) bei gleichzeitiger Reduzierung der Nebenwirkungen. Dies ist umso erstaunlicher als bei diesem Vorgang des Verreibens bzw. Verschüttelns die messbare Menge der Ausgangssubstanz immer geringer wird und jenseits der Potenzstärke D 23 sogar kein Molekül mehr nachweisbar ist.
Die Wirkung erklärt man sich mit dem physikalischen Begriff der Schwingungsfrequenz. Jeder Körper hat eine charakteristische Frequenz bzw. Frequenzbereich – eine Resonanzfrequenz. Haben wir 2 Stimmgabeln ähnlicher Frequenz und schlagen eine davon an, so wird die andere mitschwingen(2). Wenn man nun das dem kranken Menschen möglichst ähnliche homöopathische Mittel gibt, dessen Resonanzfrequenz dem kranken Menschen möglichst ähnlich ist, so ist dieses Mittel in der Lage, die gestörte Lebensenergie zu stärken, zu harmonisieren.
Genau dies ist nach der Gabe des passenden Mittels das erste und auffälligste Symptom, das die Patienten erleben : sie spüren mehr Energie, mehr Lebensfreude, sie fühlen sich ausgeglichener, belastbarer – selbst wenn das körperliche Problem noch nicht gebessert ist, aber man kann in diesem Fall fast sicher vorhersagen, dass die körperlichen Beschwerden besser werden, denn es gibt eine feststehende Regel, wie sich eine Heilung nach homöopathischen Mitteln vollzieht, die Hering`sche Regel :

1. von innen nach aussen – also z.B. erst die Besserung auf der Gemüts-
ebene und danach z.B. der entzündete Darm
und zum Schluss das Ekzem auf der Haut.
2. von oben nach unten – z.B. bei einer Neurodermitis, die den ganzen
Körper betrifft, muss die Besserung am Kopf anfangen und über Brust, Bauch sich zu den Armen, Beinen, Händen und Füssen ausbreiten.
3. in der umgekehrten Reihenfolge ihres Auftretens
die zuletzt aufgetretenen Symptome bessern sich zuerst und dann diejenigen, die vorher aufgetreten waren. Manchmal machen Patienten eine „Reise“ durch früher gehabte Krankheiten, die jeweils kurz aufflackern.

Was bedeutet dies alles für die praktische Arbeit mit Neurodermitis-Patienten :

Es ist niemals nur die Haut eines Menschen, die behandelt werden muss, denn die
Haut ist meistens nur der Spiegel unserer Seele. Deshalb hat sich der ganzheitliche Ansatz der klassischen Homöopathie bei vielen chronischen Krankheiten bewährt, weil im Vordergrund der Überlegungen die ( verletzte ) Seele des Betroffenen steht, seine Eigenheiten, seine Besonderheiten und manchmal auch seine „ Macken“, weil diese ihn charakterisieren und seine Individualität ausmachen.
Dieses Suchen nach dem Individuellen, Eigenen macht aber gleichzeitig die homöopathische Behandlung so schwierig, weil es eben nicht bei jedem Menschen sofort gelingt, diese Besonderheiten zu erkennen und richtig einzuordnen, so dass man nicht auf Anhieb das einzige und richtige Mittel verabreicht.
Dies erfordert von dem Patienten manchmal Geduld, Vertrauen zu der Methode und dem Therapeuten.
Vor diesem Hintergrund kann der Patient dann besser verstehen, warum der homöopathische Therapeut sich viel mehr um Gedanken, Reaktionen und Ver-
haltensweisen kümmert und weniger um die lokalen, körperlichen Beschwerden, die ihn doch in erster Linie zur Behandlung geführt haben.
Ganz wichtig, aber für Betroffene und Angehörige nur sehr schwer auszuhalten,
ist das Wissen, dass der Organismus immer versucht, Schadstoffe möglichst weit weg vom Körperinneren zu transportieren, nach Möglichkeit also auf die äußerste Körperschicht – die Haut. Die Behandlung mit cortison- oder antibiotikahaltigen Salben kann die juckenden Erscheinungen zwar beseitigen, aber die Schadstoffe werden hierbei nur ins Körperinnere zurückgedrängt, wo sie nicht selten auf der Schleimhaut und/oder den Bronchien zu Heuschnupfen oder gar allergischem Asthma führen. Dieser Zusammenhang zwischen innen und aussen wird vom schulmedizinischen Arzt nicht erkannt bzw. verneint.
Bei einer homöopathischen Behandlung eines solchen Asthmas erlebt der Patient
dann erst die Besserung seiner Atmung und gleichzeitig ein Wiederauftreten seiner Hautbeschwerden, die aber im weiteren Verlauf auch abheilen werden.
( Heilung von innen nach aussen – siehe Hering`sche Regel ! )

Fall-Beispiel : Christoph H. , 4 Jahre alt, wird 1992 wegen einer vom Hautarzt diagnostizierten Neurodermitis, die den ganzen Körper betrifft, mir vorgestellt.
Die Eltern haben sich allein gegen die bereits begonnene Cortisonbehandlung entschieden, weil sie nach Absetzen des Cortison immer wieder einen Rückfall erleben.
Christoph ist ein eher schüchterner Junge, der geduldig alles mit sich machen lässt und wartet bis die z.T. langen Gespräche vorüber sind. Die ersten 12 Monate reagiert Christoph auf keines der ausgewählten homöopathischen Mittel, dann erzählt die Mutter fast beiläufig, dass ihr Sohn zu Hause sich ganz anders verhalte als bei mir in der Praxis. Zu Hause stehe er öfter oben auf der Treppe und kommandiere sie richtiggehend herum. Diese Information führt mich zu einem bestimmten homöopathischen Mittel ( Lycopodium clavatum – deutsch: Bärlapp ). Nach Gabe von Lycopodium C 200 verschwindet der juckende Ausschlag innerhalb von 14 Tagen, von oben nach unten. Das Mittel musste dann noch 2 Mal wiederholt werden, danach war Christoph fast 8 Jahre völlig beschwerdefrei. Dieser Verlauf ( dass die ersten Mittel gar nichts bewirken und dann nach 1 Jahr die Haut völlig abheilt ) schließt den so oft vorgebrachten Plazeboeffekt oder die „Droge Arzt“ absolut aus !
Dann sehe ich ihn wieder mit einem lokalen Rezidiv an den Fingern und Händen nur der rechten Hand. Die Rechtsseitigkeit könnte erneut auf das seinerzeit hilfreiche Lycopodium hindeuten, aber diesmal versagt dieses Mittel, aber der emotionale Zustand ist auch nicht mehr derselbe wie vor 8 Jahren. Zusammen mit einigen körperlichen Symptomen spricht nun alles für das Mittel Calcium carbonicum, auf das Christoph wieder mit einem vollständigen Abheilen der Hauterscheinungen reagiert. Diese Mittel erhielt er nochmals im Herbst 2002 und Frühjahr 2003 – jeweils 1 Gabe ( = 3 Kügelchen )- und reagierte jedes
Mal mit völliger Abheilung der trockenen und z.T. rissigen Erscheinungen im Bereich der 2 Finger der re. Hand.
Insgesamt ist und bleibt bei Christoph die Haut die Schwachstelle, aber durch die homöopathische Behandlung war er jahrelang völlig gesund und ist es auch heute. Nie mehr war seitdem die gesamte Oberfläche betroffen, sondern bei den Rezidiven immer nur ein Teil der re. Hand.

Fall-Beispiel 2 : Herr H. , 35 Jahre alt , kommt mit einem juckenden trockenen Hautausschlag auf beiden Fußrücken. Diesen Ausschlag habe er schon ein paar Jahre, aber die üblichen Salbenbehandlungen hätten nur zu kurzen Verbesserungen geführt. Das homöopathische Erstgespräch ergibt einen schon lange bestehenden krisenhaften Lebenskonflikt, für den es scheinbar keine Lösung gibt. Herr H. ist verheiratet und hat zwei Söhne. Schon seit seiner Hochzeit weiß Herr H., dass seine Frau nicht „seine Traumfrau“ ist. Als er dann aber wirklich „seine Traumfrau“ trifft, gerät er in einen Gewissens- und Entscheidungskonflikt, aus dem er kein Entkommen sieht, da er seine Kinder nicht verlassen will. Das für diese emotionale „Patt-Situation“ passende homöopathische Mittel ist Ignatia amara ( deutsch: Ignazbohne ) . Dieses Mittel gibt ihm die fehlende Energie, um sich (für seine Familie und seine Kinder) zu entscheiden, auch wenn es ihm sehr, sehr schwer fällt. Nachdem diese Entscheidung gefallen ist, heilen seine Füße ab.

Fazit : die klassische Homöopathie bietet nicht nur Hilfe und Heilung bei vielen chronischen körperlichen Problemen, sondern sie unterstützt und fördert die gesamte Lebensenergie und stärkt unser Immunsystem, so dass der Organismus sich selbst regenerieren kann. Dies bedeutet, dass nicht ein Teil eines Menschen, sondern immer Seele und Körper gestärkt aus einer solchen Behandlung hervorgehen.

Lebenslauf Dr. Samuel Hahnemann
10. April 1755: geboren in Meissen
1790 : Chinarindenversuch
1810 : 1.Veröffentlichung seiner homöopath. Grundsätze
1811-1821: „Reine Arzneimittel –lehre“
1828: „Die chron. Krankheiten“
2. Juli 1843 : gestorben in Paris
Literaturverzeichnis : (1) Organon der Heilkunst 7. Auflage
Haug Verlag – S. 38

(2) Die wissenschaftliche Homöopathie
Georgios Vithoulkas
Burgdorf Verlag – S. 84 damenoutlet.com“> sale

Kommentieren

Hier klicken um einen Kommentar zu verfassen